27.08.2009 18:16
Fondsligisten, Blackrock, Intern, Fondsporträt

Blackrock European Focus: Auf den Punkt gebrachte Anlageideen

Frühjahr 2007: Im europäischen Aktienteam des Investment-Multis Blackrock gärt es schon längere Zeit, mehrere Fondsmanager und Analysten haben die Gesellschaft verlassen. Als im Mai auch noch Gavin Corr geht, Manager des bis dato recht erfolgreichen Blackrock European Focus Fund, schlagen erste Ratingagenturen Alarm. Übergangsweise betreut daraufhin Blackrock-Urgestein und Value-Spezialist James Macmillan den auf ein konzentriertes Portfolio von nur 20 bis 35 Aktien fokussierten Fonds, bis die Gesellschaft eine überzeugende Nachfolgelösung präsentieren kann: Anfang März 2008 übernimmt Nigel Bolton, vormals Europa-Aktienchef von Scottish Widows, der gleich sieben weitere Kollegen von seinem vorherigen Arbeitgeber mitbringt und damit das Europa-Team von Blackrock wieder entscheidend verstärkt.

Höheres Rating trotz Fehlstart

Der Start von Bolton steht allerdings unter keinem guten Stern. Die Verschärfung der Finanzkrise reißt tiefe Löcher in die Bilanz des 2005 aufgelegten Fonds, zwölf Monate später – im März 2009 – notiert der Anteilspreis 40 Prozent tiefer als am Tag seines Einstiegs. Das ist jedoch noch immer 5 Prozentpunkte besser als beim MSCI Europe, und auch für die unmittelbar danach einsetzende Gegenbewegung zeigt sich Bolton gut positioniert. Prompt erhöhen die Analysten von S&P ihr Rating im Mai 2009 von A auf AA, und auch Morningstar zeigt sich im Prinzip sehr angetan von dem neuen Manager. Aufgrund der vergleichsweise recht hohen Gebührenbelastung des Fonds (TER: 2,05 Prozent) bleibt es im qualitativen Rating allerdings zunächst bei der nur durchschnittlichen Bewertung „Standard“.

Bolton verfügt über eine 25jährige Investmenterfahrung. Bei der Aktienauswahl sucht er nach qualitativ hochwertigen Firmen mit gutem Management, die einen hohen freien Cashflow generieren und deren künftige Gewinnentwicklung seiner Meinung nach von anderen Marktteilnehmern unterschätzt wird. Als Beispiel nennt Bolton den finnischen Handy-Produzenten Nokia, dessen in den Blackrock-Portfolios lange Zeit untergewichtete Aktie er Anfang 2009 neu aufnahm. Ob ein Unternehmen eher dem Wachstums- oder dem Substanzwerte-Lager zuzuordnen ist, spielt für ihn keine Rolle, ebenso wenig die Marktkapitalisierung. Insgesamt steuern 16 für einzelne Sektoren verantwortliche Analysten Anlageideen für den in der Regel immer voll investierten Blackrock European Focus bei.

Unternehmen aus europäischen Kernländern sind im Vorteil

Eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erwartet Bolton in den kommenden Jahren von den kontinentaleuropäischen Kernländern Deutschland, Frankreich, Niederlande und Schweiz. „Wir stehen am Ende eines 30 Jahre andauernden Zyklusses, in dem speziell in Nordamerika die Konsumenten wichtigste Antriebskraft für das Wirtschaftswachstum waren“, argumentiert er. Deren Beitrag falle künftig aufgrund der rapide gestiegenen Verschuldung deutlich niedriger aus, während es in den anfangs genannten europäischen Ländern noch deutlich mehr Spielräume gebe.