28.08.2009 17:28
Fondsligisten, JPM, Intern, Fondsporträt

JPM Global Focus: Abseits der globalen Trampelpfade

Ein global anlegender Fonds ohne relevante Anlagebeschränkungen, ein Research-Team, das pro Jahr 5.000 Unternehmensbesuche absolviert, ein Fondsmanager, der sich vor Börsenturbulenzen nicht fürchtet, weil „in jeder Marktphase unentdeckte Perlen mit viel Wachstumsdynamik zu finden“ sind – fast konnten Käufer des JPM Global Focus Fund von JP Morgan im Vorfeld der Mitte 2007 ausgebrochenen Finanzkrise den Eindruck gewinnen, von deren Auswirkungen weitgehend verschont zu bleiben.

Eine Fehleinschätzung, wie die Talfahrt des Anteilspreises in den folgenden 21 Monaten zeigt: Während der Vergleichsindex MSCI World in der Spitze um ernüchternde 53 Prozent einbricht, sind es beim JPM Global Focus sogar mehr als 56 Prozent.

In vier Jahren 50 Prozentpunkte Vorsprung auf den MSCI World

Immerhin: In den fünf Monaten nach dem Mitte März 2009 erreichten Tief konnte JP-Morgan-Manager Jeroen Huysinga dem Index wieder 10 Prozentpunkte abnehmen, und auch die Entwicklung von der Auflage im Mai 2003 bis Mitte 2007 legt nahe, dass der Ansatz von Huysinga so falsch nicht sein kann: In diesem Zeitraum betrug der auf den MSCI World herausgearbeitete Vorsprung fast 50 Prozentpunkte.

„Während der Finanzkrise haben Anleger vor allem liquide Mega-Caps bevorzugt, die von uns gehaltenen Mid und Large Caps konnten in dieser von viel irrationalem Verhalten geprägten Zeit ihr Potenzial nicht ausschöpfen“, blickt Huysinga zurück. Zudem habe der Schwerpunkt in seinem Portfolio auf Grundstoffen und Industriewerten gelegen, die von der Nachfrage aus den Schwellenländern hätten profitieren sollen.

Eine aufgeschobene, aber nicht aufgehobene Entwicklung, was einen Teil der jüngsten Outperformance erklärt. Damit gibt sich Huysinga allerdings noch nicht zufrieden, denn die Bewertungsunterschiede zwischen den Aktien innerhalb der einzelnen Industriezweige sind seiner Aussage zufolge nach wie vor groß und böten antizyklischen Investoren wie ihm ein sehr attraktives Umfeld. Chancen sieht er vor allem bei Unternehmen, deren Verschuldungssituation sich verbessert, sowie bei Firmen, die nach der Krise eine andere Wettbewerbslandschaft vorfinden: „In vielen Branchen macht die steigende Zahl von Konkursen die überlebenden Unternehmen stärker.“

Um aus dem beobachteten Universum von 2000 Titeln frühzeitig die künftigen Gewinner herauszufiltern, nutzt Huysinga mit seinem Team ein Bewertungsmodell, das JP Morgan bereits vor über 20 Jahren für institutionelle Mandate entwickelt hat. Als Kaufkandidaten kommen grundsätzlich nur Unternehmen in Frage, die im Branchenvergleich die attraktivsten Bewertungen aufweisen und überdies ein Gewinnwachstumspotenzial, das mindestens 25 Prozent über dem in den Vorjahren erreichten Durchschnitt liegt.

Dieses Potenzial muss zudem durch einen Katalysator zeitnah – innerhalb von sechs bis 18 Monaten – freigesetzt werden können. Beispiele sind bevorstehende Restrukturierungsmaßnahmen, ein neues Management, Potenzial für gewinnbringende Fusionen oder Akquisitionen oder auch ein neues vielversprechendes Produkt oder Patent.

Hohe Abweichungen bei der Sektoren– und Ländergewichtung erlaubt

In der Regel hält Huysinga im JPM Global Focus zwischen 50 und 80 Titel, einzelne Sektoren darf er gegenüber der Benchmark bis 15 Prozentpunkte über- oder untergewichten. Auf Länderebene liegt die Toleranzgrenze sogar bei 30 Prozentpunkten, wovon der JP-Morgan-Manager in der Vergangenheit durchaus Gebrauch gemacht hat: Aktien aus Nordamerika beispielsweise waren mit einem Anteil von nur 20 Prozent lange Zeit deutlich untergewichtet.

Relativ prominent vertreten waren dagegen einzelne Aktien aus China, Österreich, Griechenland oder Dänemark, die in vielen traditionellen Globalfonds nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bezüglich Investmentstil (Growth/Value) und Marktkapitalisierung gibt es keinerlei Vorgaben.