M&G Global Basics: Von der Kunst, über Mauern zu blicken
Bis Ende Mai 2008 schien es, als könne nichts und niemand den Siegeszug von Graham French stoppen. Mit dem genial einfachen Motto „Wir investieren in alles, was man essen, tragen, trinken und fahren kann“ hatte der studierte Geograph seinen im November 2000 aufgelegten M&G Global Basics innerhalb weniger Jahre als echten Fondsklassiker etabliert und dabei trotz der sich verschärfenden Finanzkrise eine Performance hingelegt, von der die meisten Konkurrenten nur träumen konnten: plus 150 Prozent gegenüber einem Minus von 16 Prozent im MSCI World. Dann jedoch, mit dem Einbruch der Rohstoffmärkte im Sommer 2008, erwischte es auch den M&G Global Basics. Bis Anfang März 2009 gab der Anteilspreis um 53 Prozent nach.
Turnschuhe und Tiefkühlpizzen als Grundbausteine der Weltwirtschaft
Skeptiker hatten bereits vorher argwöhnt, ob die sehr niedrige Volatilität, die den M&G Global Basics fast acht Jahre lang auszeichnete, angesichts der teilweise recht hohen Gewichtung von Titeln wie Rio Tinto, Santos oder BHP Billiton von Dauer sein könne. Den trotz der 2008 erlittenen Verluste noch immer 3,3 Milliarden Euro schweren Fonds als verkapptes Rohstoff-Investment abzutun, wird Frenchs Ansatz dennoch nicht gerecht: Für ihn sind neben Kohle, Kupfer und Stahl auch Turnschuhe, Tiefkühlpizzen und Mobiltelefone „Grundbausteine der Weltwirtschaft“, weil sie zum täglichen Leben dazugehören.
Tatsächlich hatte der M&G-Manager bereits 2007 den direkten Rohstoff-Anteil seines Portfolios von 40 auf 25 Prozent heruntergefahren und den Schwerpunkt mehr und mehr in Richtung Konsumwerte verlagert. Eine richtige Entscheidung, denn Titel wie Colgate Palmolive oder Unilever erwiesen sich im Herbst 2008 nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers als vergleichsweise widerstandsfähig und unterstützten Frenchs im Frühjahr 2009 einsetzendes Comeback.
Was Frenchs Arbeit als Fondsmanager zweifellos auszeichnet, ist sein Hang zum Unkonventionellen. Ihn interessieren weder Benchmarks noch Tracking Errors oder andere statistische Größen. „Ich sehe mich als Künstler, der den Kopf frei braucht, um gute Investmentideen zu generieren“, sagt er und überlässt derartige Berechungen lieber seinen mathematisch geschulten Mitarbeitern. Die Fondsbranche sei voller Ökonomen, die die Welt im Wirtschaftskontext sähen, aber nicht die historischen und sozialen Auswirkungen bestimmter Ereignisse. „Meine Perspektive dagegen hat mir die Möglichkeit gegeben vorherzusagen, was nach dem Fall der Berliner Mauer geschehen ist.“
Eng verbunden mit den Anlagethemen Rohstoffe und Konsumgüter ist der Bereich der Schwellenländer, den French aber meist nur über Bande spielt. Viele der im M&G Global Basics prominent vertretenen Firmen aus den USA oder Europa generieren einen Großteil ihres Wachstums in Ländern wie China, Indien oder Brasilien, sind aber deutlich niedriger bewertet als vergleichbare Investments vor Ort.
Durchschnittliche Haltedauer beträgt mehr als vier Jahre
In der Regel hält French nur wenig mehr als 50 verschiedene Unternehmen, die außer über günstige Fundamentaldaten über ein plausibles Business-Modell verfügen müssen und dessen Management ihn in einem persönlichen Gespräch von seinen Zielen und Perspektiven zu überzeugen weiß. Wer dies schafft, hat mit French einen langfristig ausgerichteten Investor an Bord: Eine einmal im M&G Global Basics aufgenommene Aktie bringt es im Durchschnitt auf eine Haltedauer von mehr als vier Jahren.
Loyalität beweist French auch seinem Arbeitgeber gegenüber. In Interviews hat der in London ansässige M&G-Manager wiederholt betont, dass er seinem Fonds bis zum Jahr 2020 die Treue halten wolle. In Zeiten, in denen Geldverwalter in der britischen Metropole statistisch gesehen nach weniger als drei Jahren ihren Job wechseln, eine echte Rarität.
