28.08.2009 17:33
Fondsligisten, Pioneer, Intern, Fondsporträt

Pioneer Global Select: Antizyklisch zum Erfolg

Von der unter Wissenschaftlern weit verbreiteten These, dass an der Börse sämtliche wichtigen Informationen und Erwartungen bereits in den Kursen enthalten sind, hält Harald Staudinger nicht viel. „Die Aktien von Unternehmen sind oft falsch bewertet“, erklärt der Manager des weltweit investierenden Pioneer Global Select. Anleger tendierten dazu, Aktien mit starker Kursentwicklung überzugewichten und im Gegenzug Aktien mit schlechter Wertentwicklung unterzugewichten.

„Dieses Ungleichgewicht zwischen Anlegerverhalten und wirtschaftlicher Realität gilt es zu nutzen“, so der Leiter des globalen Aktienteams der Unicredit-Tochter weiter. Deshalb beteiligt er sich ganz gezielt an Unternehmen, die andere Marktteilnehmer seiner Meinung nach zu Unrecht geringschätzen, und verkauft bevorzugt dann, wenn nach vollzogenem Meinungswandel der Mehrheit bezüglich der weiteren Geschäftsaussichten zuviel Optimismus vorherrscht.

Hoher Anteil an Bankaktien riss 2008 tiefe Löcher

Eine antizyklisch aufgesetzte Strategie, die nicht nur erfolgversprechend klingt, sondern auch lange Zeit sehr gut funktioniert hat. Seit der Auflage des Pioneer Global Select im Juni 2001 schnitt Staudinger in sechs aufeinanderfolgenden Kalenderjahren besser ab als der MSCI World, 2007 lag er mit dem Index immerhin nahezu gleichauf. Im folgenden Jahr allerdings riss die Erfolgsserie, mit einem Minus von 44,59 Prozent verpasste er den MSCI World um mehr als 5 Prozentpunkte. Eine Folge unter anderem des rückblickend zu hohen Gewichts an Bankaktien wie Unicredit oder Wachovia, die 2008 trotz vermeintlich günstiger Bewertung immer tiefer abstürzten. Bereits im ersten Halbjahr 2009 holte der Pioneer-Manager jedoch den entstandenen Rückstand auf den Index wieder vollständig auf.

Die Kaufkandidaten für seinen Fonds selektiert Staudinger in zwei Schritten: Zunächst wählt ein quantitatives System aus den Aktien von weltweit 2.400 Unternehmen mit einem täglichen Handelsvolumen von mindestens einer Million US-Dollar (600 davon aus den Emerging Markets) 480 Titel aus, die in bezug auf Bewertung, Gewinndynamik und Cashflow innerhalb ihrer jeweiligen Branche den besten Eindruck hinterlassen.

Spezielles Knowhow für japanische Aktien

Anschließend unterzieht der Pioneer-Manager die vorsortierten Aktien mit seinem Team noch einmal einem qualitativen Check, wobei sowohl unternehmens- als auch sektorspezifische Faktoren eine Rolle spielen. So sollen einzelne Branchen in der Gewichtung nicht mehr als 10 Prozentpunkte von der Benchmark MSCI World abweichen. Der Ländergewichtung kommt demgegenüber keine besondere Bedeutung zu. In den vergangenen Jahren waren nordamerikanische Aktien im Fonds aber tendenziell eher unter- und japanische Aktien eher übergewichtet. Letzteres rührt abgesehen von vergleichsweise günstigen Bewertungszahlen auch daher, dass Staudinger für diesen Markt spezielles Knowhow und Interesse mitbringt.

Am Ende bleiben 160 bis 200 aussichtsreiche Titel übrig, deren Anteil am Portfolio maximal 3 Prozent betragen darf. Dabei lag der Schwerpunkt in der Vergangenheit auf Value-Aktien, weniger auf Growth-Titeln. Währungsrisiken sichert Staudinger teilweise ab, in besonders stürmischen Börsenphasen setzt er zur Verlustbegrenzung vereinzelt auch Put-Optionen auf Indizes ein. Einmal im Monat läuft der Anlageprozess neu an, wobei es aber nicht zu übermäßig vielen Anpassungen kommt: Die jährliche Umschlagshäufigkeit liegt bei knapp 70 Prozent und damit deutlich niedriger als bei vielen anderen mit einem quantitativen Modell arbeitenden Fonds.