28.08.2009 17:39
Fondsligisten, Sparinvest, Intern, Fondsporträt

Sparinvest Global Value: Ein Dinosaurier auf den Spuren von Benjamin Graham

Jens Moestrup Rasmussen, der den Sparinvest Global Value seit der Auflage im Dezember 2001 betreut, gilt als der dänische Warren Buffett. Diesen Vergleich hört er allerdings weniger gern. Denn eigentlich investiert Rasmussen eher nach den Prinzipien von Benjamin Graham, dem Urvater des Value Investing. Damit ist sein Anlagestil noch deutlich konservativer als der von Warren Buffett. Die ebenfalls häufige Bezeichnung „dänischer Dinosaurier“ erscheint dem Sparinvest-Manager dagegen schon passender. So wurde er 1999 tituliert, als er sich beharrlich weigerte, in Internet-Aktien zu investieren. Eine weise Entscheidung, wie sich wenig später herausstellen sollte.

Bei Rasmussens Art zu investieren steht die Analyse eines Unternehmens mit Hilfe der verfügbaren Finanzdaten im Mittelpunkt. Dabei konzentriert sich das Team zuerst auf das Negative, nämlich das Verlustrisiko einer Aktie. Der Kapitalerhalt steht im Vordergrund. Ist ein Unternehmen zu hoch verschuldet, fällt es gleich aus dem Raster.

Um das Verlustrisiko möglichst gering zu halten, muss die Spanne zwischen innerem Wert und Aktienkurs möglichst groß sein – Minimum 40 Prozent. Um auf einen möglichst exakten inneren Wert zu kommen, tut das Sparinvest-Team so, als wolle es das ganze Unternehmen kaufen. Bei dieser Arbeit kommt Rasmussen zugute, dass er einmal als Analyst bei einer Kreditrating-Agentur gearbeitet hat.

Keine Investments in Biotech–Firmen und Schwellenländer

In welcher Branche ein Unternehmen tätig ist, spielt für Rasmussen keine Rolle. Biotechnologie-Unternehmen und Unternehmen aus Schwellenländern meidet er allerdings. Bei dem einen fehlt ihm das notwendige Wissen, ob eine Innovation erfolgversprechend ist. Im anderen Fall sind ihm die Bilanzierungsvorschriften in den Ländern teilweise noch viel zu ungenau, zudem will er deren politisches Risiko nicht im Portfolio haben.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Rasmussen auch in der Langfristigkeit. Während sich viele Investoren mit kurzfristigen Einflussfaktoren beschäftigen, um schnelle Gewinne zu realisieren, sind derartige Überlegungen für Rasmussen tabu. Im Durchschnitt verweilt ein Unternehmen knapp vier Jahre im Fondsvermögen, bevor sich innerer Wert und Aktienkurs angenähert haben. Kommt er an diesen Punkt, stellt er das entsprechende Papier konsequent zum Verkauf.

Irrationales Verhalten als attraktive Einstiegschance

Die überproportionalen Verluste des vergangenen Jahres, als der Sparinvest Global Value zum ersten Mal seit der Auflage hinter seinem Vergleichsindex MSCI World zurückblieb, erklärt Rasmussen vorrangig mit der Irrationalität der Märkte: „Das war Psychologie pur, fundamentale Daten haben kaum noch eine Rolle gespielt.“ Viele günstig bewertete und in seinem Portfolio prominent vertretene Titel seien 2008 von anderen Marktteilnehmer wahllos aussortiert worden – eine Entwicklung, deren Korrektur seit dem Frühjahr 2009 an Fahrt gewinne. Vor diesem Hintergrund sieht Rasmussen für seinen Fonds auch in den kommenden zwölf Monaten noch einiges an Aufholpotenzial.