Threadneedle European Select: Zurück zu alter Stärke
Der Vertriebserfolg, den die 1994 aus Teilen der britischen Versicherer Eagle Star und Allied Dunbar hervorgegangene Threadneedle-Gruppe in der zweiten Hälfte der 90er Jahre in Deutschland feiern konnte, geht im Wesentlichen auf die Popularität des Threadneedle European Select zurück. Dessen damaliger Manager Darrell O’Dea platzierte den bereits 1986 aufgelegten Fonds in den einschlägigen Ranglisten regelmäßig auf vorderen Plätzen und war deshalb in vielen Medien ein gern gesehener Gesprächspartner.
Basis der konstant guten Performance: O’Dea kaufte ausschließlich Aktien von Firmen, von deren Potential er langfristig überzeugt war, und griff dabei auch auf einen Pool gesammelter Ideen des gesamten Threadneedle-Europa-Teams zurück. Anders als beim von seinem Kollegen William Davies gemanagten Threadneedle European beschränkte sich O’Dea zudem auf 50 bis 60 Einzeltitel, die dementsprechend ein größeres Gewicht erhielten.
Schwierige Suche nach dem richtigen Nachfolger
Phil Cliff, der den Fonds 2005 von O’Dea übernahm, führte diese Politik zunächst fort, wechselte dann aber nach nur zwei Jahren zu einer Londoner Hedge-Fonds-Boutique. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig; fast zwölf Monate lang gab es nur eine Interimslösung. Zum 1. Juli 2008 schließlich trat Dave Dudding an, der sich zuvor als Manager des Threadneedle European Smaller Companies einen Namen machte und nun beide Fonds in Personalunion verwaltet.
Die jüngsten Ergebnisse sprechen dafür, dass Dudding dem in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Mittelfeld seiner Vergleichsgruppe abgerutschten Threadneedle European Select wieder zu etwas mehr Schwung verhelfen könnte. An die alten Stärken des Fonds anknüpfend, führte er die Zahl der enthaltenen Aktien konsequent von zwischenzeitlich über 70 auf mittlerweile weniger als 50 Einzeltitel zurück. Bei der Auswahl spielt es für ihn keine Rolle, ob es sich um ein großes oder kleines Unternehmen, um einen Wachstums- oder einen Substanzwert handelt. Dudding: „Alles worauf es ankommt, ist die Frage, ob eine Firma auf lange Sicht zu den Gewinnern gehören wird.“
Ein Anspruch, den unter Überkapazitäten leidende Branchen wie der Automobilbau oder die Finanzindustrie derzeit eher selten erfüllen können. Obwohl der Threadneedle-Manager vereinzelt auch dort fündig wird, etwa bei BMW oder der Deutschen Börse, stammt das Gros seiner Beteiligungen aus anderen Sektoren: Mitte 2009 machten die Bereiche Grundstoffe, Konsumgüter, Dienstleistungen und Gesundheit mehr als zwei Drittel des Fondsvermögens aus.
Nestlé als ideales Langfristinvestment
Größter Einzelwert war mit einem Anteil von mehr als 8 Prozent der Schweizer Nahrungsmittel-Multi Nestlé. „Mit dieser Aktie will ich in den kommenden zehn Jahren noch viel Geld verdienen“, sagt Dudding und unterstreicht damit seinen langfristigen Anlagehorizont – sofern die fundamentalen Rahmenbedingungen stimmen.
Was die äußeren Rahmenbedingungen betrifft, so verfolgt der ehemalige Finanzjournalist ebenfalls eine klare Linie. Timing-Überlegungen sind für ihn absolut tabu: In der Regel ist der Threadneedle European Select immer voll investiert, die selbst auferlegte Cash-Obergrenze liegt bei 4 Prozent.
