28.08.2009 17:44
Fondsligisten, Veritas, Intern, Fondsporträt

Veritas ETF-Dachfonds: Pionier mit weißer Weste

Veritas-Geschäftsführer Markus Kaiser gilt neben Eckhard Sauren als einer der besten und bekanntesten Dachfondsmanager Deutschlands. Seinen Ruf erwarb sich der gebürtige Bremer mit der Anfang 2002 platzierten Dachfondsfamilie A2A, für die er in den Anfangsjahren zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Im Frühjahr 2007 brachte Veritas dann als erste Investmentgesellschaft einen ausschließlich mit kostengünstigen Indexfonds bestückten ETF-Dachfonds auf den Markt, der aufgrund seiner flexiblen, auf feste Anlagegrenzen weitgehend verzichtenden Politik nahezu unbeschadet durch die Wirren der Finanzkrise kam. Das für viele Konkurrenzfonds katastrophal verlaufene Kalenderjahr 2008 beispielsweise beendete Kaiser mit einem Plus von 0,67 Prozent. Somit ist der Veritas ETF-Dachfonds der einzige Teilnehmer an der Fondsliga, der seit der Auflage in keinem einzigen Jahr rote Zahlen schrieb.

Eine Leistung, die Ratingagenturen bislang allerdings kaum zu würdigen wissen: Für eine traditionelle Bewertung ist die Datenbasis noch zu klein, und das einzige verfügbare qualitative Urteil lautet auf „Schwach“. Die Analysten von Morningstar, die es ausgesprochen haben, begründen die Vergabe ihrer zweitschlechtesten Ratingnote mit vergleichsweise hohen Gebühren, einer Gewinnbeteiligung und der Ungewissheit, ob das von Kaiser verwendete Trendphasenmodell auch künftig überdurchschnittliche Ergebnisse produzieren wird.

Der Veritas-Geschäftsführer selbst hat daran erwartungsgemäß keine Zweifel - zumindest langfristig nicht. „Schließlich verwenden wir im ETF-Dachfonds dasselbe Modell, das sich bereits in der A2A-Familie bewährt hat“, sagt er. Kurzfristig bestehe allerdings immer die Gefahr von Fehlsignalen, die im Vergleich zum Index oder zu Wettbewerbern zu einer Underperformance führen könnten. Hinzu kommt, dass es in Phasen einer abrupten Trendumkehr mitunter etwas länger dauert, bis das Portfolio von Abwehr auf Angriff umgeschaltet ist.

Unterscheidung zwischen taktischen und strategischen Kaufsignalen

Das war auch im Frühjahr 2009 zu beobachten, als der ETF-Dachfonds dem plötzlichen Aufschwung zunächst hinterherhinkte. Kaiser: „Wir unterscheiden an den Aktienmärkten zwischen taktischen und strategischen Kaufsignalen, die etwas längerfristig ausgerichtet sind. Letztere brauchen ihre Zeit, gerade in den etablierten Märkten.“ Ende Juni 2009 lag die Aktienquote des ETF-Dachfonds allerdings bereits wieder bei über 75 Prozent.

Und so funktioniert das von Kaiser selbst entwickelte, computergestützte Modell: Es bündelt unterschiedliche technische Indikatoren wie gleitende Durchschnitte, relative Stärken oder stochastische Oszillatoren und identifiziert in einem mehrstufigen Prozess jene Märkte, die im Augenblick der Betrachtung weltweit den stabilsten Aufwärtstrend aufweisen. Die daraus resultierenden Anlagevorschläge setzt Kaiser konsequent um, wobei die strategischen Bausteine des Portfolios – meist über mehrere Monate hinweg gehaltene Regionen-ETFs – 80 Prozent und kurzfristig beigemischte taktische Investments wie Branchen- oder Einzelländer-ETFs 20 Prozent ausmachen.

Beimischung von bis zu 20 Prozent Short-ETFs möglich

In Phasen, in denen von Aktien keinerlei positive Signale ausgehen, fährt der Veritas-Geschäftsführer ihre Quote bis auf Null zurück und mischt zudem bis zu 20 Prozent Short-ETFs bei. Umgekehrt darf er in besonders gut laufenden Marktphasen den Aktienanteil mit Derivaten bis auf 200 Prozent hebeln, wovon er bislang allerdings noch keinen Gebrauch gemacht hat.

Außer auf Aktien-, Renten- und Geldmarkt-ETFs darf Kaiser auch auf Fonds zurückgreifen, die einen Rohstoff- oder Immobilienindex nachbilden. Bei der Auswahl der ETFs achtet Kaiser vor allem auf eine Streuung über mehrere Anbieter, günstige Kostenstrukturen, ausreichend Liquidität im Börsenhandel und eine stabile Handelsspanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen.